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Vom Walde komm ich her – das Dativ-e!

So, heute erzähle ich euch endlich, warum es in Storms Gedicht Knecht Ruprecht

„Von drauß‘ vom Walde komm ich her“

heißt und nicht „vom Wald“.

Beim e am Ende von Wald handelt es sich um ein Dativ-e. So ein e war früher bei vielen maskulinen und neutralen Nomen obligatorisch. Heute ist sein Gebrauch normalerweise auf folgende Gebiete beschränkt:

a) feste Wendungen, wie z. B.

zu Hause, Vom Winde verweht (deutscher Buch- und Filmtitel des Klassikers von Margaret Mitchells Gone With The Wind), etwas im Schilde führen (= etwas – gewöhnlich Unfug oder Böses – aushecken, planen, vorhaben), am Brunnen vor dem Tore (Volkslied)

oder

b) sehr feierliche Sprache, wie z. B.

der Dritte im Bunde, jemanden zu Grabe trage, im Jahre 1789, im Schweiße meines Angesichts

Das Dativ-e ist hier ein Kennzeichen für ein gehobenes Sprachregister

 
Um welche Nomen handelt es sich genau?

Das Dativ-e kommt nur bei maskulinen und neutralen Nomen im Singular vor. Außerdem sind die Nomen, bei denen man heute noch ein Dativ-e setzen kann, häufig einsilbig:

Maria mit dem Kinde, am Fuße des Berges, im Grunde seines Herzens, der Schritt vom Wege

oder sie haben ein Präfix (= Vorsilbe) vor einer einzelnen Silbe:

sich etwas zu Gemüte führen (das Ge-müt), die zu Gebote stehenden Mittel (das Ge-bot), unter dem Einflusse (der Ein-fluss)

Wer es ganz genau wissen möchte, kann hier nachlesen:

Marianne Rieger: Ein Dativ-e wie es im Buche steht

Marek Konopka: Dem Manne kann geholfen werden — Wann kommt das Dativ-e zum Einsatz?

 

Wenn euch das Dativ-e klar ist, dann könnt ihr euch wirklich zu den fortgeschrittenen Deutschlernenden zählen!

Herzliche Grüße und noch ein frohes und gesundes neues Jahr!

Claudia

Deutschlehrerin

www.deutsch-mit-freude.de

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